Doppelt sicher

Das Stromnetz in Deutschland ist in drei Spannungsebenen unterteilt: Hoch-, Mittel- und Niederspannung. Die Gemeindewerke Grefrath übernehmen den Strom ab der Mittelspannung. Die liegt in Grefrath bei 10 Kilovolt, kurz kV. In der Umspannanlage Schaphausen kommt der Strom auf Hochspannungsebene mit 110 kV an. Große Isolatoren und Freileitungen außen belegen das. In der Anlage sorgen Trafos und Schaltanlagen dafür, dass der Strom heruntertransformiert und in Richtung der einzelnen Ortsteile geleitet wird. Dort übernehmen dann Ortsnetzstationen den Strom, die wie Perlen auf einer Kette aufgereiht sind. Sie regeln den Strom auf die Spannung herunter, die bei uns in der Steckdose ankommt: 230 Volt.

„Die Umspannanlage Schaphausen teilen wir uns zum einen mit dem Netzbetreiber, Westnetz, der auf der Hochspannungsebene agiert. Zum anderen kooperieren wir dort auch mit den Stadtwerken Nettetal, mit denen wir uns einen Trafo teilen, der als Absicherung dient, falls der andere ausfällt“, erklärt Erik Ix, Geschäftsführer der Gemeindewerke Grefrath. „Wir schauen mit einer eher konservativen Sichtweise auf unser Stromnetz“, so Ix. Das bedeutet: Das Netz wird derzeit nicht ferngesteuert, und man kooperiert  mit den Nachbarstadtwerken, um Kosten zu sparen.

Mit doppeltem Boden

„Das Netz in Grefrath ist sehr kompakt und das Gebiet überschaubar. Wir sind innerhalb von 20 Minuten an einer Anlage und können handeln“, erklärt der Geschäftsführer. Deshalb haben sich die Gemeindewerke bisher dazu entschieden, das Netz nicht fernzusteuern. „Zahlreiche Stadtwerke tun dies bereits. Wir bereiten unser Netz im Rahmen der ohnehin regelmäßigen Modernisierungen ebenfalls darauf vor, werden aber so lange wie möglich auf die Fernsteuerung verzichten.“ Erik Ix und sein Kollege Andreas Vogel sind sich einig: „Wir arbeiten mit diesem Modell sicher in Grefrath.“ 
Ein weiterer Baustein der Sicherheit ist das sogenannte (n-1)-Prinzip. Bedeutet: Wer Hosenträger und einen Gürtel trägt, ist auf der sicheren Seite. In der Umspann­anlage Schap­hausen sind deshalb zwei Trafos vorhanden. Fällt der eine aus, kommt der andere zum Einsatz, und die Stromversorgung läuft weiter. 

Modernisierung in Oedt

Seit rund 25 Jahren haben die Gemeindewerke viel Geld in den Ausbau und die Instandhaltung des Stromnetzes investiert. Dazu gehört der Rückbau von Freileitungen, die einfach störanfälliger sind als Erdkabel. Die Strategie lautet auch weiterhin: sinnvoll investieren für eine extrem hohe Versorgungssicherheit. In diesem Jahr steht die zweite Schaltanlage im Netzgebiet im Mittelpunkt. Die Anlage in Oedt wird modernisiert und auf die Fernschaltung vorbereitet. Planung, Vorbereitung und Begleitung des Umbaus übernehmen die Gemeindewerke selbst.

Die größte Herausforderung des Stromnetzes sind nach wie vor die erneuerbaren Energien. Das gilt auch für Grefrath. „Normalerweise haben wir eine Netzlast von 13 Megawatt. Wir haben allerdings Windkraftanlagen mit fünf MW Leistung, Biogasanlagen und Photovol­taik­anlagen mit jeweils mehr als zwei MW. Sie erzeugen in Summe teilweise mehr als neun MWStrom. Das ist mehr als gleichzeitig verbraucht wird. Damit erreichen wir schon nahezu unsere Netzlast“, so Erik Ix. Deshalb ist der Anteil der erneuerbaren Energien in Grefrath extrem hoch. Da die Erneuerbaren Vorfahrt haben im Stromnetz, bleibt er rein physikalisch betrachtet auch vor Ort. Die Abnahme aus konventionellen Kraftwerken in Grefrath sinkt stetig. Gut, dass die Gemeindewerke ihre Netze darauf vorbereitet haben und weiter dranbleiben.