Wenn der Zähler ins Netz geht

Die Gemeindewerke Grefrath testen ein Funknetz im Kreis Viersen. Damit soll es künftig möglich sein, Zählerdaten von Wärmequellen zu übermitteln.


Der Kreis Viersen baut ein eigenes Funknetz für die Region auf – und die Gemeindewerke Grefrath machen mit. Die Abkürzung LoRaWAN steht für Long Range Wide Area Network. Es handelt sich um ein Netzwerk, in dem kleine Datenpakete über große Distanzen übermittelt werden können. „Wir wollen die Technik nutzen, um damit Werte von Wärmemengenzählern zu übertragen“, erklärt Daniel Lohmöller, Teamleiter bei den Gemeindewerken Grefrath. Als Pilotprojekt haben die Gemeindewerke  entsprechende Zähler in einem Mehrfamilienhaus an der Weststraße in Grefrath eingebaut. Diese können ihre Daten an einen Sendemasten des Kreises Viersen im Freilichtmuseum Dorenburg senden. Dort werden sie auf einem Server gespeichert, auf den die Gemeindewerke in der Testphase Zugriff haben. Diese lesen dann die Werte aus und übernehmen sie in das eigene Abrechnungssystem.
Der Vorteil des LoRaWAN: Das System ermöglicht Datenübertragungen unabhängig von Breitband- und Mobilfunkanschlüssen. „Es bietet sich auch deshalb an, weil es sich von dicken Wänden nicht aufhalten lässt und daher auch für Zähler in Kellergeschossen geeignet ist“, erklärt Daniel Lohmöller.

Zähler drahtlos fernauslesen

In dem Mehrfamilienhaus an der Weststraße stand ohnehin ein turnusmäßiger Zählerwechsel an. Der Testlauf bot sich hier also an. Auch die Lage – nicht zu weit vom Freilichtmuseum entfernt – machte das Haus zu einem guten Versuchsobjekt. „In dem Gebäude gibt es insgesamt sieben Zähler auf verschiedenen Etagen, sodass der Test ebenfalls unterschiedliche Positionierungen abdeckt“, erläutert Lohmöller.


Die LoRaWAN-Technik bietet sich auch deshalb an, weil es seit Oktober 2020 für neu  eingebaute Wärmemengenzähler weitere Vorschriften gibt. Die neue Vorgabe lautet: Diese Wärmemengenzähler müssen auch aus der Ferne ablesbar sein. Wasserzähler könnten in Zukunft ebenfalls so ausgelesen werden. Strom- oder Gas-Zähler dürfen aus Sicherheitsgründen allerdings noch nicht mit dieser Übermittlungstechnik ausgestattet werden.

Kreis stellt Netzwerk kostenlos

„Die Zusammenarbeit mit dem Kreis Viersen war für uns eine gute Möglichkeit, in einem energienahen Anwendungsfall die Möglichkeiten von LoRaWAN zu testen“, sagt Andreas Vogel, Leiter der Netze bei den Gemeindewerken. Der Kreis Viersen stellt das Netzwerk kostenlos zur Verfügung. In zahlreichen Kommunen laufen zurzeit Versuche in unterschiedlichen Anwendungsbereichen. Der Start in die Pilotphase erfolgte im November auf dem Kapellenhof in Niederkrüchten. Dort sind in den Freilandgehegen die Schließanlagen der Hühnerställe nun mit Sensoren ausgestattet. Diese registrieren, ob die Klapptüren abends zufallen, und senden die Informationen über das LoRaWAN an den Landwirt. Statt also selbst jeden Abend alle Klapptüren einzeln zu kontrollieren, reicht nun ein Blick auf eine App.

Testlauf der Gemeindewerke kann beginnen

Die Gemeindewerke haben die notwendigen Komponenten eingebaut. Wenn der Kreis Viersen nun Antenne und Server bereitstellt, kann der Testlauf beginnen. „Bei dem Pilotprojekt wollen wir sehen, ob die Technik sich bewährt und welche Schwierigkeiten es möglicherweise gibt“, sagt Teamleiter Daniel Lohmöller. „Wenn LoRaWAN wie gewünscht funktioniert, planen wir weitere Investitionen in diese Technik.“


Möglicherweise kommt ein weiterer Sendemast hinzu. Der könnte über Sensoren anonymisiert die Besucheranzahl in den unterschiedlichen Ausstellungsbereichen erfassen. In Viersen testet der Abfallbetrieb die Technik, um den Füllstand der Altkleidercontainer vom Büro aus abrufen und bei Bedarf den Entleerungsturnus anpassen zu können. Im Laufe dieses Jahres soll das Netz flächendeckend im Kreisgebiet zur Verfügung stehen.